Unabhängigkeit der Tester in einem agilen Team

Sobald ich über Testen in agilen Teams spreche und betone, dass Tester und Entwickler sehr eng zusammenarbeiten, bekomme ich immer die Frage gestellt: Was ist mit der Unabhängigkeit der Tester?

Die Unabhängigkeit ist besonders im Wasserfall- und V-Modell-basierenden Projekten ein wichtiger Baustein und eine Sicherheit für die Qualität des Produktes. Die Tester stellen hier die unvoreingenommenen Prüfer der Anforderungen und der Ergebnisse der Entwicklung dar. Sie validieren beides aus der Sicht der Nutzer.

Diese Unabhängigkeit ist natürlich in einem Team nicht gegeben, wo alle Beteiligten eng zusammenarbeiten. Aber sie wird auch nicht mehr benötigt.

Ich sass vor ein paar Tagen im Planing eines Scrum -Teams und es wurden die Akzeptanzkriterien für eine Story definiert. Es ging um das Löschen eines Artefaktes und speziell um die Sicherheitsabfrage vor dem Löschen. Als alter Testhase schlug ich dem Team vor, doch ein Akzeptanzkriterium bzw. Testidee für den Fall aufzunehmen, dass der Nutzer auf Abbrechen klickt und dann das Artefakt nicht gelöscht werden sollte. Prompt bekam ich die Antwort zurück: „Wieso? Das ist selbst verständlich und jeder Entwickler der dies tun würde, kommt an den Pranger“. Die Antwort kam nicht von einem Tester, sondern einem Entwickler. Auch war das Team einhellig dieser Meinung. Am Ende sahen die erstellten Testfälle den Sachverhalt vor und gingen natürlich auf grün, weil die Entwickler es korrekt umgesetzt hatten.

Die Unabhängigkeit der Tester in der alten Welt weicht einer „neuen“ Idee: Jeder bzw. alle Projektbeteiligten sind für die Qualität verantwortlich! Außerdem sorgt die Arbeit des Product Owners für die notwendige Einbeziehung der Kundensicht.

Die agilen Prinzipien sorgen dafür, dass der Entwicklung nachgelagerte Prüfinstanz nicht notwendig ist und ich habe speziell für mein Scrumteam das Vertrauen, dass sie auch die weiteren Stories korrekt umsetzen werden.